Trainer Butzhammer verlässt den SC Anger
Xare's Rückblick auf die letzten 5 Jahre
Xare im Interview mit Hans Koch am letzten Spieltag
Int.:
Xare, heut' ist ja jetzt dein letztes Spiel als Angerer Fußballcoach an der Seitenlinie, nachdem du jetzt fünf Jahre in Anger da warst. Du hast ja hier Erfolg gehabt ohne Ende. Was mich interessieren würde ist Dein persönliches Resumée, sozusagen die Gefühlslage, auch ganz unabhängig vom Sportlichen.
Xare:
Das ist gar nicht so einfach. Wenn du nach dem Gefühl fragst: ich hab immer das Gefühl gehabt, ich möcht' immer noch weiter machen. Darum habe ich nach drei Jahren – ich habe mir anfangs ursprünglich vorgenommen und zum Ziel gesetzt, nach drei Jahren und natürlich einer Spielklasse höher als ich angefangen habe, aufzuhören – immer wieder von Jahr zu Jahr weitergemacht, weil es mich so gefreut hat.
Der erste Gedanke dann, wirklich aufzuhören, kam dann im Frühjahr letzten Jahres, wo es mir körperlich etwas schlechter gegangen ist und ich in den Trainings selber nicht mehr so aktiv mitmachen konnte, wie ich es mir eigentlich vorstelle. Da hab ich mir gesagt, dieses Jahr ziehst du auf alle Fälle noch durch, aber dann hörst du auf. Und dann ist es halt noch ein Jahr länger geworden.
Ich schau natürlich schon auch ein bisschen mit Wehmut zurück, weil diese fünf Jahre, die ich jetzt da in Anger genossen habe – die werden wahrscheinlich für mich nie wieder kommen im Fußball. Und drum habe ich auch die letzten Spiele so genossen. Aber ich weiß auch, dass ich das nicht ewig machen kann und deshalb sehe ich es auch als schönen Abschluß, auch für mich persönlich, dass wir in dieser Saison nochmals viel erreicht haben.
Wir haben im Lauf des Jahres wieder einige junge Spieler in die Mannschaft integriert und sie haben sich auch alle wieder individuell verbessert. Das freut mich dann natürlich auch ganz speziell, wenn ich sehe, wie sie sich entwickelt haben, wie sicher sie den Ball jetzt von hinten heraus spielen, wie ruhig sie geworden sind. Es ist zwar nicht in jedem Spiel gleich, aber - wenn man es auf die ganze Saison bezieht - sage ich: es läuft jetzt besser als zu Beginn.
Int.:
Ja. Ich sehe ja auch – zwar nicht alle, aber doch die meisten Spiele und begleite den Angerer Fußball ja schon über lange Jahre hinweg interessiert. Ich muss sagen, dass ich dem Angerer Fußball das Spielniveau, auf dem er sich jetzt befindet, niemals zugetraut hätte. Du hast ja den SC Anger von der A-Klasse bis jetzt herauf in die Kreisliga gebracht und dabei eine Menge junger Spieler aus dem eigenen Nachwuchs eingebaut und auf dieses Niveau gebracht.
Über all die Jahre hinweg hat man auch nie etwas gehört, dass es in der Truppe irgendwie geartete Reibereien oder Grüppchenbildungen gegeben hätte, was ja auch auf ein gutes Klima und guten Teamgeist schliessen lässt. Stichwort Kameradschaft. Wie warst du da mit Deinen »Buam« zufrieden?
Xare:
Dadurch, dass die Spieler alle aus dem eigenen Nachwuchs kommen, gehen die natürlich auch ganz anders und kameradschaftlicher miteinander um als in einem Verein, in dem die Spieler aus den verschiedensten Richtungen kommen. Man kennt sich und deshalb ist auch der Umgang miteinander kameradschaftlicher. Es gehört natürlich immer auch der Charakter jedes Einzelnen dazu, seinen Mitspieler zu respektieren. Dieser Respekt ist die Voraussetzung für einen guten Teamgeist. Wir hatten schon auch oft harte Diskussionen, aber bei einem respektvollen Umgang miteinander gleitet so was dann nicht ab und darum hat es auch nie richtigen Stunk gegeben.
Du hast vorher gesagt, ich hätte die Leute so weit gebracht. Es muss aber jeder Spieler selber soweit bringen und dies annehmen. Ich fordere zum Teil viel, wir haben großteils jeweils dreimal in der Woche trainiert, zweimal offiziell, einmal freiwillig. Das ist narrisch viel Zeitaufwand - für die Spieler auch - und das nimmt der eine mehr und der andere weniger an. Wenn man schaut, welche Spieler sich am besten weiterentwickelt haben, dann sind das einfach jene, die mehr als die geforderten zwei Trainingseinheiten gemacht haben, die freiwillig noch mehr gemacht haben. Und in Anger waren viele Spieler da, die dies angenommen haben und sich deshalb natürlich dann auch besser weiterentwickelt haben.
Int.:
Sicher! Aber trotzdem unterliegen ja Mannschaften einer gewissen Gruppendynamik und deshalb liegt meines Erachtens auch viel am - salopp gesagt - »Leithammel« und das warst jetzt bisher im sportlichen Bereich ja du. Ich glaube, du hast da einfach auch ein gewisses Talent und warst ja auch bei deinen früheren Vereinen ziemlich erfolgreich. Von daher glaube ich, hängt vom momentanen Erfolg der Angerer Fußballer schon auch Einiges an der Person Xare Butzhammer, da musst du dein Licht nicht unter den Scheffel stellen.
Xare:
Na ja. Wenn ich jetzt so auf die letzten drei Jahre zurückschaue: die halbe Mannschaft hat ja vor drei Jahren noch in der A-Jugend gespielt. Das hat man so nicht erwarten können, dass sich diese Spieler so gut entwickeln. Und es sind genau diejenigen Spieler, die intensiv trainieren, sich intensiv taktische Sachen anhören und intensiv an sich gearbeitet haben – und darum sind sie auch um so viel weiter gekommen. Sie haben einfach das gut angenommen und haben mir intensives Arbeiten mit ihnen damit auch leicht gemacht.
Int.:
Also: – in Bezug auf Menschen ein blödes Wort – dankbares »Spielermaterial« in Anger?
Xare:
So ist es, ja!
Int.:
Und vom Umfeld her? Anger war ja auch ein »dürstendes Feld«?
Xare:
Das muss ich gleich vorweg nehmen: Ich habe während der ganzen fünf Jahre nie jemand gehabt, der mir ein schlechtes Wort nachgesagt hätte. Da hat es sicher auch Leidtragende gegeben, weil jedem recht machen habe ich es da sicher nicht immer können. Manche Söhne haben dabei halt auch manchmal nicht mehr gespielt, weil halt andere dann zum Zuge gekommen sind. Aber ich bin da immer in einer respektvollen und fairen Weise behandelt worden, auch von denen, die mit mir vielleicht nicht so gut zufrieden waren. Das war schön und drum fährt man auch gerne dann her, als wie wenn man sich immer verteidigen oder für jede Entscheidung rechtfertigen müsste.
Int.:
Wie schaut jetzt deine Zukunftsplanung aus. Ich habe mir sagen lassen, dass du jetzt mal eine Fußballpause einlegen möchstest?
Xare:
Ja, genau. Ich setzte jetzt sicher einfach mal so lange aus, bis mein Körper signalisiert, dass er wieder mehr belastbar ist.
Wenn es so wie jetzt bleibt, werde ich sicher als Trainer nicht mehr anfangen. Wenn es einmal wieder erheblich besser wird kann es schon sein, dass ich vielleicht wieder einmal einen Trainerjob annehme, aber sicher ist das nicht.
Int.:
Xare, ich danke für das Gespräch und wünsche für die Zukunft alles Gute, vor allem natürlich gesundheitlich.
Und vielleicht sehen wir dich ab und zu dann wieder am Anger Sportplatz, wenn auch nicht als Trainer, dann halt einfach als Zuschauer. Und: »Vergelt’s Gott« – für alles.



















